Die ersten Tage, Pilzalarm en masse, es ist dunkel nachts und ein Pferd im Bad


Wir starteten einen Tag später als ursprünglich geplant, was vor allen Dingen dem Regenwetter am Dienstag geschuldet war. Für mich war das aufgrund der noch zu bewältigenden Arbeit gar nicht schlecht.
Aber Mittwoch ging es los. Noch kurz die letzten notwendigen Reste eingekauft und über die Schwarzenbach- Talsperre, Sand und den Mummelsee erreichten wir schließlich die „Freiersberger Hütte“ bei Bad Griesbach. Von hier aus wollte Marion los wandern, denn die Strecken zwischen zuhause und Kniebis lief sie nun wirklich bereits mehrfach im Laufe der Zeit.

Los geht`s!


Unterwegs...

Während ich mit einigen Umleitungen kämpfte und unterwegs hier und dort für ein Foto anhielt, war das Fräulein schon wieder voll im Wanderelement und übermittelte ausschließlich Jubelnachrichten. Das Wetter hielt sich stabil und schön, und nach 25.75 Kilometern erreichte sie Hausach. Dort stand ich bereits auf einem sehr gut gelegenen, zudem ruhigen Stellplatz am Ortsrand.
Dass ich das am schwersten habe, erkennt wohl jeder...

Wunderbare Stimmung am Abend in Hausach

Irgendwie gähnten wir beide relativ früh, und so ging der Tag auch bald zu Ende; es ist ja noch immer ein wenig komisch für uns, dass es nachts dunkel wird…
 
Das erste kurze Teilstück am nächsten Morgen begleitete ich die Wandersfrau, bis hinauf zur alten Burg des Ortes, der „Husen“, auf welcher Heinrich VI residierte. Von da ab führte mein Weg zurück und bergab, der ihre nach vorn und bergauf.
Etappe von Hausach zur "Wilhelmshöhe"


"Husen" Hausach


Auf der wunderschönen B 500 tuckerte ich weiter südwärts, bestaunte die Massen von Amerikanern und Japanern, die sich vor eine Kuckucksuhr stellen und warten, bis „das Vögele rauskommt“, amüsierte mich ein bisschen und fotografierte später selbst. In Triberg kaufte ich ein und war einigermaßen erschüttert, was an diesem Wasserfall für ein unglaublicher Massentourismus herrscht. Ich ersparte mir diesmal den Besuch.
Die Burg von Hornberg

Schwarzwaldidyll Kuckucksuhr...


Der Waldläufer berichtete unterdessen von Pilzfunden unterwegs, was mich natürlich sofort veranlasste, über eine Änderung des Speiseplanes nachzudenken. Zuerst allerdings hatte ich echte Mühe, einen vernünftigen Stellplatz zu finden, denn der angebotene bei der Wirtschaft „Wilhelmshöhe“ entpuppte sich als sehr naja! Immerhin, ich fand etwas im nahen Schonach.
Da war das noch überraschend...


 Dass wir hier im Hochschwarzwald voll in der Netz- Diaspora sind, das hatte ich mir irgendwie gar nicht vorstellen können, aber es war tatsächlich ziemlich schlimm. Egal, natürlich habe ich ausreichend Arbeit dabei und es wird nicht langweilig, Netz hin oder her.
Gegen 16.45 Uhr und nach 25,5 Kilometern meldete sich Miss Latsch und ich konnte sie an der besagten Wirtschaft und ihrem Etappenziel abholen. Irgendwie ging dann wohl alles ein wenig zu schnell, jedenfalls bemerkte sie nach etwa 20 Minuten, dass sie ihre am Etappenende abgestellten Wanderstöcke stehen hat lassen. Okay, WoMo fertig machen und losfahren – Wanderstöcke weg! – Suchen und fragen, ohne Erfolg – in die Ortschaft fahren und neue kaufen – eine Stunde danach erreichten wir wieder den Stellplatz und kamen erst einmal richtig an…
Die durchaus zahlreichen Pfifferlinge (und Braunkappen), die Marion gefunden hatte, verarbeiteten wir natürlich sogleich zu einem sehr perfekten Abendessen, somit war der Abend gerettet und das Stock- Dilemma vergessen.




Die Folgeetappe  hatte es in sich: deutlich über 1200 Höhenmeter Anstieg und gut 900 Abstieg auf 25,5 Kilometern; aber sie wusste es ja vorab.

Harte Etappe: "Wilhelmshöhe" und über 25 Kilometer und zahlreichen Auf- und Abstiegen" bis "Kaltenherberge"

 




Und irgendwann meldete sie sich per whats app, dass ich kommen solle. Das war ja irgendwie klar und absehbar, jedenfalls für mich, dass es halt irgendwann mal zuviel wird und der Körper sagt „stopp“. Scheinbar war es soweit, und ich machte mich auf, sie auf etwa dreiviertel der Strecke zu suchen.
Ich fand sie, etwas überraschend gut gelaunt und auf den Beinen… Sie hatte mich nur gebraucht, damit ich ihr die große Menge Steinpilze und Pfifferlinge abnehme, die sie unterwegs gefunden hatte. Und sie freute sich auf den Rest der Strecke. Gut, ich hatte ja nix gesagt, und insofern…



Tolle Funde, die dann aber auch schnell verarbeitet, vor allem geputzt werden müssen...

Am Ziel – das war bei der „Kaltenherberge“ - hatte ich endlich das WoMo eben gestellt (nicht so einfach dort), als sie eintraf. Ein wenig müde vielleicht, aber guter Dinge und wohlauf. Wir schliefen am Waldrand in vollkommener Einsamkeit total ruhig.


Dass dieser Tag noch einmal zu toppen wäre, dachten wir nicht! Aber doch!  Marion startete am Samstagmorgen zur nächsten Etappe in Richtung Titisee- Neustadt, und ich fuhr zuerst ein paar Kilometer zurück zu der Stelle, an der sie zahlreiche Pilze gefunden hatte. Ein Stündchen wollte ich unterwegs sein, zwei wurden es insgesamt. Und obwohl ich nur knappe zwei Kilometer „wanderte“ im Wald, fand ich eine ordentliche Menge Pfifferlinge. Aber den Vogel schoss natürlich Comtesse de Latsch ab! Unterwegs musste ich schon einmal ihre Tupperschüssel (so eine Heirat mit einem Schwaben färbt halt ab!) voller Pilze übernehmen, und während des zweiten Teils fand sie beinahe zwei Kilogramm Steinpilze! Sie erzählte, dass sie bei einer gerade pausierenden Radlerin, die ihr entgegen kam, einige Pilze sah, diese aber die Stelle nicht verraten wollte. Weil aber die Abschnitte noch vollkommen frisch waren, konnte es ja schließlich soweit nicht sein… 



Ein großes Pilzjahr im Schwarzwald


Dass das für mich, der ich zuerst ziemlich verzweifelt einen Stellplatz im vollkommen touristischen Titisee- Neustadt suchte, hin und her kurvte und auch noch einzukaufen hatte, dann lässige zwei Stunden Pilze putzen hieß, das soll hier nicht unerwähnt bleiben…
Aber natürlich lohnte sich das mehr als nur ein bisschen! Ein köstliches Abendessen vergoldete den Tag. Und zuletzt verübten wir sogar noch eine gute Tat und liehen zwei ausschließlich ihre Muttersprache sprechenden jungen Franzosen ein Ladekabel fürs Handy, damit sie nicht mehr von aller Außenwelt abgeschottet blieben.

Das Wetter meint es freundlich mit uns, es ist fast ausnahmslos sonnig. Eigentlich geht es uns also wunderbar und sehr gut. Eigentlich! Denn ich mache mir ein paar Sorgen um das Wuschele. Seit der Waldschrat dermaßen viel draußen in der Wildnis umher stampft, kommen seltsame Dinge im WoMo vor. Wie neulich: ich komme aus der Dusche; nach einer Weile schreckt Miss Latsch auf und schaut fieberhaft suchend zum Fenster hinaus, während sie fragt: kommt da jetzt ein Pferd? Wir stehen am Fahrbahnrand neben einem riesigen Parkplatz voller Autos. Das Hufklappern, das sie „hörte“, waren einige Tropfen aus dem Brausekopf im Bad…
Wie es weiter geht und was passiert, darüber berichten wir uner diesem link bei a) Gelegenheit und b) wenn wir mal aus der Netzdiaspora Südschwarzwald heraus sind.
Allen ganz herzliche Grüße,

Comtesse Pferdeflüsterer & Tommy Pilzeputz


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