Bravouröse Leistungen, übler Wetterumschwung, „Da spuckst du Zähne“! und echt Glück


Vergangenen Sonntag erwachten wir am Steinhuder Meer – und es regnete. Hoffnung keimte auf, als es gegen acht Uhr aufhörte. Wir frühstückten draußen, aber es war durchaus ziemlich kalt. Und pünktlich nach dem Frühstück fing es auch wieder an.
Auf dem Plan stand eine „Zusatzetappe“, nämlich die Wanderung um das Steinhuder Meer, weil es heißt, die sei wirklich schön. Um sie nicht allzu sehr auszudehnen, begannen die zwei Wandersfrauen im Regen und mit einer Boots- Überfahrt und konnten so ein wenig abkürzen. Trotzdem kamen sie erst nach 18,5 Kilometern und 3:45 Std zurück, wobei wenigstens der Regen ab etwa Mittag aufgehört hat.


Wie gut, dass es abends „Kraftfutter“ in Form von Spaghetti mit Spargelstücken, Zucchini und Filetstreifen gab, denn der Montag sollte nicht easy werden.

Nach der "Extra- Etappe" um das "Steinhuder Meer"



Da führte die Strecke nämlich nach Bad Nenndorf, es war die 28. Etappe. Durch schöne Landschaften, vorbei am „Kaliberg“ nahe Steinhude, aber auch über Stock und Stein und durch Bannwald, so dass sogar kleinere Kletterpartien erforderlich wurden. Entsprechend kamen sie auch zu mir an ein ausgesuchtes sonniges Plätzchen: müde, erschöpft, hungrig und reif für eine Dusche. Aber klar, nach 6:15 Std und genau 30 Kilometern war das zu erwarten. Was man auch sagen muss: Nicole hatte ja nicht die Vorbereitung wie der Waldläufer, und so kurz mal fast 75 Kilometer in drei Tagen wegzuspulen, das darf man schon als besondere Leistung hervorheben. Ich zumindest habe sie weder jammern noch lamentieren gehört. Der Asiate am Abend, den wir uns zum Besuchsabschluss gönnten, entschädigte aber durchaus.

Der "Kaliberg" bei Steinhude

Nach wirklich großartiger Leistung im Ziel in Bad Nenndorf
Nachdem Nicole also am nächsten Morgen im Zug wieder heimwärts reiste, brach Frau Müller alleine zur 29. Etappe auf. Leider hatte es bereits spürbar abgekühlt, noch aber herrschte meist Sonnenschein; das änderte sich um die Mittagszeit. Die Blasen sind übrigens inzwischen abgeklungen und verheilt, allerdings wird der Waldläufer seit einiger Zeit immer stärker vom Ischias geplagt; genau gesagt schmerzt die so genannte „S 1- Nervenwurzel“, ein Teil des Ischiasnervs. Sie salbt, nimmt Tabletten, und abends eine Wärmflasche, bisher half es nicht wirklich. Wenigstens schmerzt es nicht, sowie sie sich bewegt. Doch das sollte nicht das größte Problem dieses Tages werden!

Nachdem ich meine Aufgaben erledigt und das nächste Ziel, nämlich Bad Münder, erreicht und alles gestellt hatte, passierte auf der ersten „Bergetappe“ folgendes: Prinzessin von Latsch aß einen Apfel, biss hinein und spuckte diesen Teil, weil er schon etwas bräunlich war, in den Wald. Leider spuckte sie auch eine Keramik- Zahnfüllung mit aus, die sich in dem Augenblick schnell, aber wortlos, gelöst hatte. Schwupp, war da Platz für eine Pulle Cola Zero im Zähnchen!
Natürlich konnte ich noch für den Nachmittag einen Termin bei einem örtlichen Zahnarzt organisieren, aber den Zeitstress vertrug sie nicht so gut. Daneben gab es auf der Strecke auch noch parallel führende Wanderwege und zu allem Unglück einen mit dem nahezu identischen Zeichen (also das liegende weiße Kreuz, nur noch ein „R“ darunter), und so war fast absehbar, dass irgendwann der Anruf erfolgte, dass sie es nicht zeitgerecht schafft und ich sie aufpicken musste.
Nun, inzwischen ist alles bereinigt und erneuert, sogar essen konnte sie abends wie geplant. Jetzt sollte sich nur noch das Ischiasproblem lösen, für welches sie allerdings von des Zahnarztes Ehefrau akupunktiert wurde; sie trägt jetzt also ein paar Nadeln im Ohrwaschel mit herum…
Bad Münder wäre eigentlich einen Spaziergang Wert gewesen, aber das Wetter lud wirklich nicht dazu ein.
Noch übler allerdings der Mittwochmorgen. Nach einer angenehm ruhigen Nacht herrschten draußen neun (9!!!) Grad, dicke Wolken verhingen den Himmel, zwischendurch mal ein kurzer und heftiger Schauer (jetzt natürlich nicht mit dem Chaos im Süden derzeit vergleichbar); ich sah mich sogar genötigt, die shorts gegen eine Jeans einzutauschen, unglaublich! Das Wanderwunder startete  natürlich ebenfalls mit langer Hose und Mehrfachschutz auf ihre 30. Etappe, welche bis Hameln führte.
Wegen des Ischias‘ einerseits und den ungünstigen Stellmöglichkeiten andererseits (sowie der beginnenden WM!) planten wir für die kommenden Tage ein wenig um. Eigentlich lägen jetzt (also nach Hameln) zwei rund je 33 Kilometer lange Etappen an, bis Detmold. Wir wollen es jetzt aber in etwa dreiteilen, das scheint tatsächlich Sinn zu machen.
Und dann kam natürlich erst einmal alles ganz anders! Denn weder die IBU 600 zeigten noch irgend eine Wirkung am Ischias, noch schienen die gespickten Ohrwaschel Erfolg versprechend. Es war am Mittwochabend wirklich jämmerlich mit anzusehen, wie sie nicht zu sitzen wusste. Klar, Cortisol, das hülfe, aber ohne Medizinmann brauchst du da erst gar nicht aufschlagen bei einer Apotheke, es ist Rezept pflichtig. Wie gut und welch Glück, wenn man dann aber zuverlässige und kompetente Freunde hat! Ein paar whats app- Nachrichten später war klar, dass wir in der uns am nächsten gelegenen Apotheke ein entspr. Medikament holen können. 
Danke, Thomas!
So musste also diese eine Etappe zumindest nicht geschoben oder gestrichen werden und nach den ersten beiden Pillen und nachdem wir uns noch das wunderschöne Städtchen Hameln gemeinsam angeschaut haben – bei Sonnenschein übrigens – machte sich Frau Müller voller Optimismus und gut gelaunt auf die Strecke.

Sehenswertes Hameln - und endlich wieder Sonne!





Meine Hauptaufgabe liegt ja ab jetzt darin, erstens einen Satelliten- Empfangs- Stellplatz zu suchen und für möglichst große Umgebungsruhe während den Übertragungen zu sorgen. Okay, ich sagte natürlich zu, dass es weiterhin eine vernünftige Mahlzeit geben wird abends – nur mit der Uhrzeit machte ich keine Versprechungen, außer, dass es immer vor Mitternacht sein würde.

Ha ha ha, ich kam dann in Extertal zum geplanten Platz. Wenig los, ich durfte den Standplatz aussuchen. Und dann hatte ich den und alle ( a l l e ! ! !) vier anderen, die großräumig um mich herum standen, waren Holländer! "Das wird lustig", dachte ich zuerst, aber - unglaublich - alle verkrümelten sich noch vor Beginn der Übertragung des Spiels. Keiner guckte WM. Ich mag sie echt, und das hat mein Mitleid mit den Leuten und der Mannschaft nur noch verstärkt. 

Comtesse dè Waldschrat ließ schon früh verlauten, dass "es schon wirkt" und berichtete bei ihrer Ankunft nach 7:20 Std und 31,5 Kilometern von wunderschöner Hügellandschaft im Lippischen Bergland, von Wald und wunderschönen Aussichtspunkten, der Begegnung mit zwei Damen, die immer mal wieder zehn E 1- Etappen zusammen wandern (aber sich das Gepäck hinterher fahren lassen) und von erneut zahlreichen Einkehrmöglichkeiten, welche es ja früher überhaupt nicht gab. Fotos von der Etappe bleiben zunächst Fehlanzeige, weil wir keinerlei Netz haben im Weltdrehkreuz Extertal...

Unter diesem link melden wir uns wieder, bis dahin wünschen wir allen endlich richtig Sommer, tolle Spiele und gutes Gelingen bei allem, herzliche Grüße.

Noch während des Spiels - das die Holländer übrigens völlig zurecht verpasst haben (jämmerlich, wenn Top- Mannschaften fehlen und Viertklässler dem Zuschauer Augenkrebs verursachen!), begann es zu regnen, und der hielt fast die ganze Nacht. Mit dem Wetter haben wir im Augenblick irgendwie keinen Pakt - das sollte sich zügig ändern.

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Die ersten Tage, Pilzalarm en masse, es ist dunkel nachts und ein Pferd im Bad

Bettentausch, Schoko- Flut, von bösen Fallenstellern, Überraschungsbesuch und Wander- Besuch