Hochsauerland, das Rothaargebirge, der Lahn- Depp und die Rückkehr des Sommers
Hallo, wir sind’s wieder, melden uns diesmal aus dem
Bereich Siegen im Sauerland.
Tatsächlich ging es für uns so weiter, dass es nicht
weiter ging! Einerseits wollten wir ja in Willingen (ist meiner Meinung nach
eine Stadt irgendwo in England, denn der Regen wollte da einfach nicht
aufhören!) abwarten, was der Ischias macht, und andererseits zeigte sich das
Wetter nicht eben von seiner einladenden Seite, außer man mag‘s halt nass und
klamm…
Natürlich war es mir unmöglich, den Ischias geplagten
Waldläufer zur Ruhe zu mahnen! Und weil ja auch die „Gefahr“ bestand, dass sie
durch die lange Unterbrechung womöglich eine ganze Etappe auslassen muss,
trotzte das Wuschel bereits am Samstagmorgen dem Wetter, zwiebelte sich
Kleidungs mäßig ein, Regenjacke zum Schluss und wanderte die 37. Etappe zur
Hälfte, in dem Falle also von Willingen nach Niedersfeld. Die 15 Kilometer
lange Strecke (3:20 Std) ist ein Teil des „Rothaarsteigs“ im Rothaargebirge, wo
wir uns ja befanden. Ob das mit dem Ischias besser wird, wenigstens langsam,
ließ sich so natürlich eher nicht feststellen...
Wobei das nun an jenem
Samstag auch nicht das vordringlichste Problem war! Denn das war ja eindeutig
die Frage, ob Schweden geschlagen werden kann. Nun, das Ergebnis ist bekannt,
einzig zu vermelden: das WoMo hat das Spiel überlebt!
Teil zwei der halbierten 37. Etappe führte dann –
erneut bei leichtem Regen, erfrischenden vier (4!!!) Grad morgens um halb acht
und Wolken in Greifnähe – von Schweinsbühl (wohin Frau Müller mit dem Taxi
fuhr) nach Willingen. 15,5 Kilometer in 3:40 Std; ob es eine landschaftlich
reizvolle Strecke war, ließ sich bei den nebligen Verhältnissen jetzt nicht
erkennen, aber Hauptsache, die Etappe wurde gewandert… Der Ischias schien
langsam etwas weniger schmerzhaft zu sein, insofern planten wir auch, am Montag
„normal“ weiter zu machen. Da sollte auch schöneres Wetter herrschen, orakelten
die Auguren.
Nun, alles können diese Leute schließlich auch nicht
wissen! Aber: es regnete morgens nicht, sondern war nur suicid- trüb, und es
war deutlich milder geworden, denn um halb acht maß man doch glatt
6 (!) Grad. Wir mussten zuerst bis Niederfeld, wo es am Skilift (jaja, da geht’s
locker mal auf 600 bis 800 Meter hinauf) weiter gehen sollte mit der
Wandersfrau und ihrem E 1.
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| Noch immer wandert der Waldläufer, auch wenn es nach Skifahren aussieht... |
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| "Wunderbare" Aussicht am "Kahler Asten" |
Es lockerte ein wenig auf, und so konnte sie am Ende
und nach 23,2 Kilometern (für die sie 5:40 Std unterwegs war) berichten, dass
es eine schöne, Wald reiche Strecke war, die über den 841 Meter hohen „Kahlen
Asten“ nahe Winterberg führte. Sogar einige Wanderer traf sie in diesem
Bereich; nun, es sind ja auch schon Ferien im Land der Alleskönner (wo wir
wieder sind). Tja, und weil Madame dè Latsch vom Regen verschont blieb,
befahlen die Streckenschilder mehrfach, dass es tatsächlich durch eben jenes
hohe (und natürlich pitsche patsche nasse) Gras ginge; zwei Tage brauchten die
Schuhe, bis sie trocken waren… Aber sie erreichte das Tagesziel in
Schmallenberg- Oberkirchen, wobei wir die Übernachtung im Nachbarort Winkhausen
wegen der besseren Stellmöglichkeit in Angriff nahmen.
Übrigens - und danach hielten sowohl die Wandersfrau wie ich immer die Augen auf - befanden wir uns in einer Gegend, in der es tatsächlich nioch frei laufende Wisente gibt. Es war uns leider nicht vergönnt, welche zu sehen (ich zum Beispiel sah nicht einmal eine Ente...), dabei hatten wir extra die auf manchen Schildern stehenden Verhaltensregeln bei Begegnungen gelernt.
Übrigens - und danach hielten sowohl die Wandersfrau wie ich immer die Augen auf - befanden wir uns in einer Gegend, in der es tatsächlich nioch frei laufende Wisente gibt. Es war uns leider nicht vergönnt, welche zu sehen (ich zum Beispiel sah nicht einmal eine Ente...), dabei hatten wir extra die auf manchen Schildern stehenden Verhaltensregeln bei Begegnungen gelernt.
Inzwischen kämpfte ich wieder mal mit
Einkaufsproblemen! Weil das ja nicht so easy ist mit dem WoMo, irgendwo in der
Stadt zu parken und ich somit nur selten einen richtigen Markt finde, bin ich
meist schon auf Supermärkte angewiesen. Dieses Mal brauchte es drei (!)
Anläufe, um Broccoli zu bekommen: Schulterzucken im ersten, „haben wir gerade
nicht“ im zweiten und genug da im dritten. Dass danach die Armaturen meldeten,
es sei ein Blinklicht defekt, passte gut zu meiner Stimmung in dem Moment! Dass
das Gas irgendwann mal aus geht und man es eben einfach nur merkt und nicht
sehen kann in der Metallflasche, ist schon klar, aber – und jeder kann es sich
jetzt schon denken – diesmal passierte es natürlich mitten im Kochvorgang! Ist
ja keine Arbeit, die Anschlüsse zu wechseln, und einen Tag zuvor hätte es dazu
auch noch geregnet! Ich bin ein Glückspilz!
Viel Sonne sahen wir an dem Tag beide nicht, aber es regnete nicht mehr,
und man konnte bereits erahnen, dass es jetzt besser würde. Damit der Tag
jedoch nicht vollkommen langweilig enden sollte, standen wir abends plötzlich
im Wasser – obwohl keiner Wasser hatte laufen lassen. Langer Rede kurzer Sinn,
ich stellte fest, dass der Wasser abführende Schlauch das Wasser vom
Waschbecken im Bad nicht zum Abwassertank führte, sondern im WoMo verteilte,
denn er war durchgerissen. Aufzuwischen war es, bisschen Arbeit natürlich, aber
machbar. Einzig die Suche nach einer Stelle, die das fachgerecht und zügig
repariert, ist bisher (noch immer) erfolglos geblieben…
Nächstes Ziel (bei Sonnenschein und richtig Sommer!)
war Bad Berleburg; ich kannte dieses nicht, aber sie können zumindest ein ganz
hübsches Schloss vorweisen und es gibt eine Menge Kurkliniken dort. Und
letztlich liegt es auch malerisch am Rande des Rothaargebirges und mit
reichlich Wald drumherum.
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| In Bad Berleburg, unten das Schloss |
Frau Müller war 4:50 Std unterwegs und bewältigte 20 hügelige Kilometer,
die sie allerdings gar nicht als Steigungen wahrnahm… Das Schild „Schanze“ war
unterwegs ein kleiner Trugschluss, denn die Schanze suchte sie natürlich
umsonst, denn es gab da auf 711 Metern Höhe ein gleichnamiges kleines Dorf,
Schanze eben. Außerdem durchwanderte sie einen Kunstpfad und war dort wie auf
all den Waldwegen wieder mal – wie ich zu sagen pflege – im Kreise ihrer
Freunde unterwegs, also allein.
Dafür
hatte ich am Abend was für sie in petto: es gab nämlich Tintenfisch mit
Broccoli und Morcheln aus der WOK, und das entschädigte für meine Spöttelei.
Am Mittwoch nun (das ist der Tag, an dem die mit Abstand
beste Mannschaft der Fußball- WM von Schieds- und Linienrichtern, von
Videoschiedsrichtern, von den Platzwarten in Kazan, von der FIFA und vom
Wettergott aus dem Turnier betrogen wurde) warteten 22,5 Kilometer nach Bad
Laasphe (kein Schreibfehler!) auf den Wandervulkan. Ihren Ischias spürte sie
inzwischen tatsächlich weniger und nach 5:15 Std kam sie gut gelaunt an, denn
Sommerwetter begleitet uns inzwischen ganztags. Wer noch nie von Bad Laasphe
gehört hat, dem darf ich sagen, dass
sich dort das „Schloss Wittgenstein“ befindet. Es ist sich in privater Hand
und seit langem neben einer Privatschule
für Abitur und Mittlere Reife auch eine Reitschule… Bad Laasphe jedenfalls,
ganz bekannt.
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| Reit- und Privatschule Schloss Wittgenstein |
Das Wuschel beeilte sich tatsächlich, um den Anpfiff nicht zu verpassen und guckte mit mir – und
einem Holländer, der neben uns eingeparkt hatte – das Drama. Ein eher
freudloser Abend ging bald über in eine unruhige Nacht mit schlechten Träumen.
Nach Lahnhof sollte
es uns am Donnerstag führen, das ist eine Art Nichts mitten in den Wäldern; ein
großer Bauernhof, ein Hotel- Restaurant, eine Kneipe und zahlreiche
Wanderparkplätze, denn just dort entspringt die Lahn. Zu dem derzeit quasi nicht
belegten Hotel gehört ein riesiger Parkplatz, der mir gut genügt hätte
(wichtigstes Kriterium ist ja der TV- Empfang, und das ist so mitten im Wald
oft problematisch), aber der Chef dort ist ein garstig- unfreundlicher und
genehmigte uns nicht, dort zu stehen. Ich bedankte mich bei ihm für seine
übermenschliche Freundlichkeit und seinen ritterlichen Großmut (wörtlich
natürlich!) – was für eine Freude zu sehen, wie dumm der geguckt hat, der "Lahn- Depp"!
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| An der Quelle der Lahn |
Jedenfalls
verlegten wir ad hoc das Etappenende für diesen Tag nach Deuz (auch sehr
bekannt!), wo ich einen Standort für die Nacht fand, es jedoch sonst keinerlei
Netzanbindung gab; die Diaspora eben.
Der Waldläufer berichtete von einer 24,5 Kilometer
langen (schon 41.!) Etappe, die 5:40 Std. dauerte und durch viel angenehmen
Wald führte, aber eben auch durch Lahnhof und an der Lahnquelle vorbei,
besonders aber hat es ihr das Ilsetal angetan, das sie auf langer Strecke
durchwanderte. Dieses hat eine gewisse Berühmtheit, weil das Wasser in
Quellnähe im Mittelalter als Heilwasser genutzt wurde und reichlich Pilger
anlockte. Irgendwie musste das damit zu tun haben, das das Wasser der Ilse in
diesem Bereich nur einpolig drehte. Was immer das bedeutet…
Inzwischen bereiten wir uns auf die nächste
Haltestelle in Siegen vor, wo vor allen Dingen eines auf der Tagesordnung
steht: waschen! Denn unser Wäschesack ist schon fast geplatzt, und der
beinhaltet nur die dunkle Wäsche, der Rest befindet sich in einer Sporttasche,
es ist also höchste Zeit, dass der Fahrer und Koch den Waschsalon aufsucht…
Und wenn die Müllerin dort ankommt, hat sie die 42. Etappe hinter sich - das bedeutet, dass sie zwei Drittel der gesamten Tour durchwandert ist. Ich sag da ja nix, aber ein bisschen Respekt hab ich schon...
Fazit: es geht uns soweit ganz gut, wir freuen uns auf den weiteren Verlauf und wünschen allen interessante, Stress freie WM- Spiele, Gesundheit und ein wunderbares Sommerwochenende; demnächst vermelden wir unter diesem link wieder wie es aussieht bei uns.











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