Marathon- Etappen, Wander- Besuch und wachsende „Liebe zu Baumärkten“!

Wie befürchtet blieb das nicht bei der Ankündigung, sondern wurde klingelnde Wahrheit! Am hellen, schon sonnenklaren Donnerstag weckte uns das so eingestellte Handy um 6.45 Uhr!
Und sofort nach dem Frühstück legte das Wuschel mit ihren frisch zusammen geflickten Blasen los. Es stand eine recht große Etappe von Soltau nach Müden an der der Örtze an. Neben den 34,5 Kilometern, für die sie insgesamt 7:20 Std wanderte, hatte sie unterwegs auch noch eine „Begegnung der anderen Art“, aber die ersten Gedanken bewahrheiteten sich nicht… Kaum hatte sie die „UFO“- Begegnung verdaut, traf sie unterwegs, als sie einmal durch ein Dorf  geführt wurde, auch noch zufällig mich, denn gerade dort fuhr ich durch!

Da dachte der Waldläufer zuerst: "Jetzt sind sie da!", aber dann wars doch eine Biogas- Anlage

Ich musste einkaufen. Es mag dekadent klingen, aber weil wir wirklich häufig auf unebenem Geläuf stehen und die hin- und- her- Rangiererei recht nervig ist (manchmal auch erfolglos!), brauchte es Unterlegkeile für die Reifen. Auf meiner Strecke lag ein Händler und ich besorgte welche; weil wenn dir das Öl in der Pfanne ständig in eine „Ecke“ fließt ist das genauso scheiße wie die Flecken auf der Hose von der vom Teller geflossenen Salatsoße…
Bis zur Ankunft in Müden hatte Frau Müller dann eine Entscheidung mitzuteilen! Sie werde die morgige, aus nicht nachvollziehbaren Gründen 43,5 Kilometer lange Etappe bis nach Celle – die geplant war, aufzuteilen – am Stück wandern! Es sei ein Versuch, eine Herausforderung, und mal sehen, und ich sei ja da, wenn ich sie unterwegs aufgabeln müsste oder ein Zug oder Bus oder oder oder… Okay, meine Aufgabe war es dann zu überlegen, ob ich eigentlich eine Wandersfrau begleite oder eine Wahnsinnige…
Müden an der Örtze ist übrigens ein ziemlich touristisches Örtchen, ohne dass wir herausfinden konnten, woran das liegt. Allein die alte Mühle im Ort jedenfalls kann es nicht sein, und viel mehr fiel uns nicht auf.

Guter Dinge beim Start in Soltau - Foto etwas unscharf weil der Fotograf um diese nachtschlafene Zeit schlicht noch nicht die Augen öffnen konnte...




                                   

Die alte Mühle in Müden an der Örtze

Noch ganz frisch bei Ankunft in Müden adÖ nach 34,5 KM
Nun, dann denkst du, schlimmer als 6.45 Uhr kann es ja jetzt nicht mehr kommen – und dann kommt es schlimmer! Denn für die Monsteretappe nach Celle musste der Wandervulkan um sechs Uhr (morgens!) aufstehen. Allerdings legte ich mich nach Abmarsch nochmal zwei Stunden hin.

In Celle, dem Tagesziel, brauchte es einen neue Gasflasche und wir tauschten die Läufer im WoMo. Vom doch sehr anfälligen Teppich auf weichen Kunststoff, der deutlich einfach zu reinigen ist. Eigentlich hätte ich auch noch ein Brett gebraucht zur Verstärkung des Tritts, aber – man fasst es nicht – „sorry, unsere Säge ist derzeit defekt“, hieß es, im Baumarkt! Und „morgen wieder,  spätestens “.
Prinzessin von Latsch kam nach unglaublichen 47 Kilometern und gewanderten 9:40 Std gegen 16.30 Uhr an. Die letzten vier Kilometer seien ein wenig ätzend gewesen. Soso! 
Über die Strecke berichtete sie, dass sie endlich einmal einem E 1- Wanderer begegnet sei (ein Franzose, der im Schwarzwald begonnen hat und in sechs Monaten bis zum Nordkap wandert) und dass ihr die Heidelandschaft, auch wenn manche Wege nur geradeaus und somit ein bissi langweilig waren, gut gefallen habe. Außerdem schien ganztags bei 30 Grad die Sonne.



Paar Blümchen und "ihren Schampus" nach der überstandenen Marathon- Etappe

Ach ja, clever wie ich bin, hatte ich für diesen Tag Spargel eingekauft, mit div. Schinken, Kartoffeln und Sauce Hollandaise. Ein richtiges Hochsommeressen eben – auf dem Schatten freien Stellplatz waren kochen und essen mehr eine Schwitzkur denn ein Genuss… Aber während einer schwitzte, konnte die andere kaum die Augen offen halten; da war der die Müllerin doch ein wenig müde nach der Etappe.

Am Freitag stand die 26. Etappe nach Wedemark- Wennebostel an, gemütliche 29 Kilometer.
Mein erster Weg führte mich zum Baumarkt. Um zu erfahren, dass die Säge noch defekt sei… Aber man hat ja Internet am Mann, der nächste Baumarkt lag nur etwa 5 KM entfernt. „Oh, das sei schlecht“ mit meinem 20 x 48,1 cm- Maß, hieß es dort, denn (Achtung!)  „wegen einer ganz neuen Anordnung durch die Berufsgenossenschaft dürfe er nicht mehr kürzer als 30 cm sägen, aus Sicherheitsgründen“. Hallo! Baumarkt?! Ich war sicher, dass es gleich „Versteckte Kamera“ heißt, aber nix! Und kein Brett. Im dritten (9 KM!) bekam ich dann tatsächlich eines. Andere Berufsgenossenschaft,  nehme ich an.
Lebensmittel musste ich auch einkaufen und hatte mir einen auf der Strecke liegenden „Netto“- Markt ausgeguckt. Das Navi führte mich zielgerichtet hin, allerdings war die Straße beim vorletzten abbiegen vollgesperrt. Ich hielt also um die Ecke und fragte eine Eingeborene, die, nur nebenbei bemerkt, einen deutlich stärkeren Bartwuchs auf der Oberlippe vorweisen kann als ich:

Ich: „Sorry, wie komme ich denn zu Netto, da vorne die Sprengerstraße ist gesperrt“:
Sie: „Ja. Ich wohne da hinten, bei uns war die Straße sechs Wochen lang gesperrt. Was die immer   
        machen!“
Ich: „Ja, furchtbar. Und wegen dieser Sperrung jetzt? Also zu Netto?“
Sie: „Ich gehe da manchmal auch hin. Zu Fuß. Da macht die Sperrung ja nichts“.
Ich: „Aber ich muss schon das Auto mitnehmen, auch wegen den Getränken. Wie fahre ich da
        denn jetzt am besten?“
Sie: „Hmm, mit dem Auto? Das weiß ich jetzt auch nicht. Irgendwie außenrum:“

Ich fuhr dann ein bisschen nach Gefühl und habs gefunden, aber glauben konnte ich das alles nicht.
In Celle (da kenne ich mich jetzt ganz gut aus...) holte ich am Spätnachmittag Nicole am Bahnhof ab, die mit dem Zug angereist kam und uns, besonders Frau Müller natürlich, für einige Tage begleitet. Ein sehr schöner Platz am See, einige Fetzen köstliches Jungbullenfilet vom Grill und ein paar ordentliche Schluck Wein führten zu einem gelungenen Willkommensabend.

Abendessen in Wennebostel

Letzte Stärkung vor der Etappe nach Steinhude

Am vergangenen Samstag brachte ich die Wandersfrauen zur Strecke, die etliche Kilometer abseits lag. Sie wanderten tagsüber fleißig gut 26 Kilometer (etwas über 6 Stunden waren sie unterwegs) bis Steinhude am „Steinhuder Meer“. 
 

Eine über weite Teile sehr schöne Strecke durch Heidelandschaft, allerdings plötzlich und überraschend übersät mit unzähligen Menschen und hunderten Radfahrern! Nun, das war bei Wunstorf, und am dortigen Fliegerhorst war an diesem Tag „Tag der Bundeswehr“ – und, so hörten wir, 60 000 Besucher seien dort gewesen. 
Ich fuhr, und weil ich auf der Karte irgendwas mit „Schloss“ irgendwas las, suchte ich den Weg ohne Navi, fand dort aber das Schloss nicht. „Ach“, antwortete mir irgendwann eine Frau, „das heißt hier nur so, das gibt’s schon lange nicht mehr!“ Ich will heim!

Wenn es schon kein Schloss mehr gibt, ...
 
Ziel am "Steinhuder Meer" nach 26,5 Kilometern erreicht

 
Auch wenn es nach einem wieder angenehm warmen Tag abends bedrohlich nach Gewitter ausschaute, wir bauten den Grill auf. Und wahrscheinlich sah sogar das Gewitter ein, woanders runter zu gehen sei besser als uns die köstlichen Doraden, Kingprawns und Tintenfischtuben zu verregnen.

Es gibt nun noch zwei Flachetappen, bevor es etwas bergiger wird. Der Waldläufer in der Gruppe freut sich schon darauf. Ansonsten: noch viermal schlafen bis zum Eröffnungsspiel…

Uns (derzeit dreien) geht es immer noch gut. Wir melden uns unter diesem link weiterhin in gewissen Abständen und freuen uns über jeden, der es liest oder es irgendwie kommentiert. Bis dahin das Beste für alle, kein Stress und liebe Grüße.













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