Geschafft! Gesund zuhause!



Hallo, wir sind’s noch einmal, melden uns diesmal von zuhause.



Es ist tatsächlich geschafft, wir sind wieder daheim. Aber der Reihe nach.

Am vergangenen Mittwoch – die Gewitternässe war getrocknet und die Nacht in Mühlhausen war ruhig – war geplant, bis Münzesheim zu wandern, die 59. Etappe.

Ich ließ mich ein letztes Mal von dieser unsäglichen Wasserbrunnen- App veräppeln und fuhr 15 Kilometer im Nebel umher, um erneut nur wieder Eingeborene zu befragen, die einerseits völlig erstaunt den Kopf schüttelten und denen ich deutlich ansah dass sie dachten „Was’n das für ein komischer Vogel!“… Wirklich einziger Trost an allem war, dass ich durch Bruchsal fuhr und am Schloss einen zwar fragwürdigen, aber für kurze Zeit noch akzeptablen Parkplatz fand, um ein wenig zu fotografieren. Tolles Wetter war ja sowieso. Nachdem ich an einer Tankstelle einen „Brunnen“ mit Wasserhahn gefunden und Frischwasser nachgefüllt hatte, irrte ich längere Zeit durch das mir zuvor unbekannte Münzesheim. Einen Stellplatz für die Nacht, der uns genügt hätte, fand ich nicht!

Zufällig fand das Wuschel auf einer öffentlich ausgehängten Karte einen Stellplatz im Nachbarort, und der war dann auch recht idyllisch. Das war in dem nicht minder bekannten Gochsheim… Dort kam sie dann nach 5:30 Std Wanderung auch an, es waren abwechslungsreiche 23,5 Kilometer, über zahlreiche Felder und durch viele Weinberge, sogar ein paar schöne Aussichtspunkte waren ihr vergönnt; und da gute Sicht herrschte, konnte sie die Hornisgrinde im Schwarzwald schon ausmachen. Während ich auf sie wartete, schon in Gochsheim, kam ein etwa knapp 30jähriger Wandersmann am WoMo vorbei, voll bepackt und stark humpelnd. Tatsächlich ein „E 1- Wanderer“! Er hatte in Pforzheim, also zwei Tage zuvor, begonnen und sein Ziel sei der Hauptbahnhof in Hamburg. Allerdings seien die 29 Kilometer am ersten Tag wahrscheinlich dafür verantwortlich, dass er jetzt bereits nach acht Kilometern in eine Unterkunft müsse, seine „Beine hätten zu gemacht“. Ich wünschte ihm was, dachte aber durchaus „ja, klar, weit isses ja nicht mehr…“

Das Schloss zu Bruchsal

Stellplatz in Gochsheim

Das Schloss in Gochsheim
So dicht am E 1 übernachteten wir nie zuvor!

Sicht aus dem WoMo
  

Die 60. Etappe wurde eine eher kurze, denn bis Bretten wurde Frau Müller nur auf 12,5 Kilometern gefordert. Über viele Felder ging es an einem erneut sehr sonnigen und angenehm warmen Tag in 3:00 Stunden ans Ziel – ein Wunder, dass sie nicht schon vor mir dort eintraf… Ein sehr freundlicher Hausmeister bei der Sporthalle nahe unserem Standplatz genehmigte uns, dass wir die Duschen nutzen können; es ist zwar okay im WoMo, aber jedenfalls enger als in einer Sporthallendusche. Erstmals war jetzt auch „Heimkommen“ ein Thema, aber klar, lange sollte es ja nicht mehr dauern.

Bretten Altstadt - wirklich schmuck!

Am Platz in Bretten

Ein bisschen Arbeit ist immer!



Vorvorletzter Abschnitt sollte der von Bretten nach Pforzheim sein. Während ich wieder einmal mit einem vollen Einkaufswagen über Durchgangsstraßen hetzte (Parkplätze für Wohnmobile an Supermärkten werden völlig überbewertet!), durchwanderte der Waldläufer auf einer abwechslungsreichen 61. Etappe das Gengenbachtal, genoss zahlreiche Aussichtspunkte während der Auf-und-Ab-Strecke, unter anderem auch wieder eine auf die Hornisgrinde, später auch das Kämpfelbachtal, bevor wir uns trafen, um zum gedachten Stellplatz zu fahren. Und siehe da, dort befand sich sogar ein Trinkwasserbrunnen, der Waldparkplatz war wenig frequentiert und bald am Abend herrschte Stille. Allerdings schlug das Wetter im Laufe des Abends merklich um! Es bewölkte sich und zog zu, die Nachrichten warnten vor Gewittern und Hagel und es kühlte spürbar ab.

Zwischen Bretten und Pforzheim




Der Regen, jedoch nur sehr leicht, setzte erst ein, als wir morgens bereits wieder startklar für die vorletzte Etappe waren. Nummer 62 verläuft von Pforzheim nach Dobel. Zwischendrin trafen wir uns mal wieder, um das angeblich sehr sehenswerte Schloss von Neuenbürg anzusehen. Naja, vielleicht innen – aber da waren wir nicht. Rein äußerlich gab es jetzt nicht so viel her, von der Anfahrt (manchmal rechts und links grade mal zwei Zentimeter Luft…) hinauf und später hinab einmal abgesehen. Daneben bezeichnete der Wandervulkan die Etappe als sehr schön und durfte während den 21 Kilometern zum Beispiel die höchste Erhebung im Enzkreis, nämlich den 709,1 Meter hohen Heuberg erklimmen, bevor sie nach 5:05 Std am WoMo ankam.

Am Neuenbürger Schloss




In Dobel waren es 17 Grad, als ich ankam, und natürlich bewölkt und leicht regnerisch. 17 Grad! Halb so viel wie vor zwei Tagen in Bretten, sehr witzig! Mehrmals schauten wir dort, direkt am Waldrand stehend, in den Spiegel, ob wir uns irgendwie in Richtung Außerirdische oder so was verändert hätten. Denn jeder, wirklich jeder, der vorbei fuhr oder (die natürlich noch intensiver) vorbei ging, inspizierte und gaffte wie nirgendwo zuvor.

Am frühen Abend – nach dem Abendessen – geschah dann das Unvermeidliche! Es ging los mit zusammenpacken! Was braucht es nicht im WoMo, was kann raus? Was braucht es zwingend, was fehlt und muss besorgt werden? Alles logisch. Für mich war zudem klar, dass alle meine Klamotten gewaschen werden müssen; ich hatte ja schließlich auch alle an! Das galt nicht für alle Mitfahrer! Außerordentlich interessant, und ein bisschen schockierend auch war dann, als Frau Müller los legte! Die Tasche mit den „Guck-mal-die-hätte-ich-gar-nicht-gebraucht-die-hatte-ich-gar-nie-an- Klamotten“ war am Ende tatsächlich größer als die mit meinen sämtlichen (!) Kleidungsstücken.

Nun ja, wir beendeten den letzten Abend der Tour im nordbadischen Dobel, aber mit schwäbischen Maultaschen!



Etappe 63, der letzte Tourtag also, wurde eine Art Schaulaufen einerseits und ein wenig eine sentimentale Wanderung andererseits. 22,5 Kilometer in 5:40 Std wanderte Comtesse de Latsch noch einmal. Allerdings wurde sie auf ihrer „Hausstrecke“  schon am Hohloturm von Schwager Jürgen „abgefangen“ und begleitet. Am Latschigfelsen (was für ein jämmerlich steiler und anstrengender Aufstieg!) erwarteten sie unser letzter Wanderbesuch Andreas mit Tochter Lena und ich, mit „welcome“- Schild und „Erfolgs“- shirt für sie präpariert, und am Fuße des Aufstiegs (die cleverere Variante!) ihre Schwester Christel mit Laura und ihr Bruder Jürgen und ihre Schwägerin Christine. Die Freude bei der Läuferin war groß, Anerkennung und Respekt wurde (und ganz bestimmt zu Recht - ich finde, dass unsere Rollenverteilung optimal war… - allenthalben, von mir ja regelmäßig ohnehin, und von vielen in mails oder apps, die uns zwischendurch erreichten) gezollt, und nach einem Foto am Ortsschild ging das Abenteuer zu Ende. 



Start zur 63. und letzten Etappe
  

Begleitung ab dem Hohloturm

Begleitung ab dem Latschigfelsen

Verdiente welcome- Geschenke


Alle vom "Empfangskomitee"

Zuhause!

Dass dann ihre Mutter Lotti noch eine ausgezeichnete Schwarzwälder-Kirsch-Torte für die Rückkehr im Kühlschrank verborgen hatte und Lotti und Friedhelm abends zum Italiener einluden, rundete diesen Tag mehr als perfekt ab!


Fazit:

Natürlich war die Sache insgesamt ein echtes, absolut lohnendes Erlebnis. Vielleicht nicht überraschend aber doch interessant war, wie unterschiedlich die einzelnen Landstriche doch erscheinen. Schön ist es immer gewesen, auch wenn einer eher das Meer und einer mehr die Berge mag. Viele Gleichgesinnte getroffen hat die Wandersfrau nicht, woran auch immer es gelegen hat. Die Strecke insgesamt – falls es mal jemand machen mag – führt meist um Städte und Ortschaften herum und verläuft sehr viel auf freiem Feld oder im Wald. Auch eventuelle Einkehrmöglichkeiten kann man beinahe an einer Hand abzählen. Die Etappen als solche sind natürlich zugeschnitten auf jene, die eine Unterkunft brauchen; wer die wie wir dabei hat, kann lässig und unproblematisch selbst einteilen und findet was für die Nacht.



Für die Interessierten ein bisschen Statistik:

Alles zusammen waren es 1632 Wanderkilometer. Für die 63 Etappen brauchte Marion 73 Tage, 75 Tage waren wir mit der zweitägigen Anfahrt unterwegs. Der Tagesdurchschnitt lag bei 25,9 Kilometern.
Für die ärmsten Schuhe der Wandersfrau ging die Sache nicht so gut aus: diese hatte sie wegen Bequemlichkeit, den Temperaturen und ihres geringen Gewichts zu 85 bis 90 % aller Tage an. 

Die Opfer des Unternehmens

 

Gefahren sind wir insgesamt von zuhause bis zuhause 3206 Kilometer, während der Tour 2303 Kilometer; wir fuhren einen 10,15 Ltr- Schnitt. Außer zum abgefahrenen Außenspiegel kam es zu keinem Unfall (und an dem konnte ja keiner von uns was dafür), mit nur einem Blitzer (gibt noch kein Ergebnis, wird aber mager bleiben) können wir gut leben.

Stand heute wurde unser Blog insgesamt 1891 mal aufgerufen. Wir danken allen, die regelmäßig gelesen und sich ein bisschen daran erfreut haben.


Nun möchte zum Abschluss die Hauptdarstellerin des Filmes noch, dass folgendes von ihr an alle treuen Leser unseres Reiseblogs geschrieben wird:

„Ich möchte mich an dieser Stelle ganz herzlich bei Herrn Tommy Weinsbergle bedanken. Ohne ihn hätte dieses Abenteuer so nicht stattfinden können und vor allem wäre es nicht so toll geworden. Im Gegensatz zu ihm durfte ich ‚nur’ wandern und das war total einfach. Er hatte die ganze Zeit den ‚stressigeren Part’ im Hintergrund, also WoMo versorgen, Ziel und neuen Platz suchen, einkaufen, kochen, blog schreiben, Fotos bearbeiten und mehr, und er hat es perfekt und super gemacht. Ich hoffe, er unterstützt mich und ist dabei, wenn es auf Teil II weitergeht, durch die Schweiz, über die Alpen und ans Mittelmeer, … also irgendwann.“


Wir danken, sagen tschüss, wünschen allen nur das Beste und hoffen auf ein baldiges persönliches Wiedersehen!

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