Touri- Getümmel am Ruhetag in Titisee, die Wutachschlucht und von anlehnungsbedürftigen WoMo- Reisenden…


Am Samstag gg. Abend fragte  der Waldläufer, einen Ruhetag einlegen sollen, sonntags, also für mich. Mir war natürlich sofort klar, dass sie einen solchen brauchte und ich tat dann so, als ob das für mich wichtig wäre und so blieben wir bei traumhaftem Wetter am Titisee.

Wir wollten um den See herum wandern und wir wussten auch, dass der Ort etwas touristisch ist. Aber das stimmt gar nicht! Der Ort ist vollkommen unfassbar und schrecklich touristisch! Bus weise werden ältere Herrschaften, die männlichen Passagiere häufig in shorts, Tennissocken und Sandalen, asiatische Besucher, die Damen häufig mit Sonnenschirm und Mundschutz, auf einem großen Parkplatz „ausgespuckt“ und alle rennen Herden gleich in Richtung Bootsanlegestelle, durchkämmen jedweden Souvenirshop und veranstalten neben dem schrecklichen Getümmel einen Heidenlärm!

Unsere „Flucht“ zum Seerundweg nützte auch nichts, denn selbst dort, da man auch noch zusätzlich Radfahren darf darauf, herrschte eher Autobahnatmosphäre denn Ruhe…



Titisee, besser "Tourisee"





Dafür zeigte es sich, dass der Stellplatz wirklich eine gute Wahl  war für uns, denn nicht nur die nahen Sanitärräume des riesigen „Badelandes“, sondern auch die ruhige Nacht schätzten wir.

Während Frau Müller montags etwa um neun Uhr startete, tat ich das Meine. Viel musste ich  nicht einkaufen, aber das WoMo - es brauchte Wasser und Abwasser etc. - galt es auch zu versorgen. Die Waldläuferin hatte die „Schattenmühle“ im Wutachtal zum Etappenziel, mit ein paar Auf- und Abstiegen dazwischen und wenigen Ortschaften wie zum Beispiel Kappel. Die Absprache, uns dort zur möglichen Übergabe etwaiger Sammelerfolge zu treffen, damit ich das schon mal im WoMo habe, war ein einsamer Wunsch! Denn sie fand weder Pilze noch Beeren.

Sie wanderte – ohne Netz und ohne jede Erreichbarkeit – meist oberhalb des Flüsschens und im Wald, und sie vermisste zunächst noch die viel gepriesenen hihglights der Wutachschlucht.

Ich konnte in Löffingen alles Nötige erledigen und fuhr danach weiter zum Treffpunkt bei der „Schattenmühle“. Oh, es gibt dort einen wunderbar gelegenen Parkplatz, der auch groß genug ist, dass man gemütlich über Nacht stehen kann. Nur, der war voller als voll! Und wenn ein Pkw wegfuhr, war erstens schnell ein anderer zur Stelle und zweitens ich deutlich zu lang, um das zu nutzen. Also wartete ich, und zwar lange. Schließlich erreichte die Wandersfrau das WoMo, und nachdem wir noch ein Stündchen zugewartet hatten, begannen sich die Reihen zu lichten, und bald darauf standen wir auch schon klar für die Nacht; nicht als einziges WoMo natürlich, zu viert waren wir letztlich.

Hoch über der Wutachschlucht





Das erste Teilstück am nächsten Morgen in die Wutachschlucht hinein begleitete ich die Comtesse, und die Aussichten wurden ein wenig beeindruckender. Das Wetter war es ja sowieso, die ganze Zeit bereits, Sonne pur und herrlich warm! 

Startbereit für Wutachschlucht Teil 2 ab "Schattenmühle"








"Lass ma, für mich is dad nix!"






Unglaublich, ich war nur eine gute Stunde weg vom Parkplatz, aber als ich etwa um 10.15 Uhr zurück zum WoMo kam, gab es bereits keinen einzigen freien Platz mehr dort! Und ich selber hatte ordentlich zu kämpfen, um ohne Blechschaden aus meiner Parklücke zu kommen, was aber  gelang.


Wir trafen uns nach 24,5 Wander- Kilometern in Blumberg, wobei das letzte Stück für Marion nochmals ein ordentlicher Anstieg war. Die köstlichen Lammkeulensteaks, mit gemischtem Salat und Bratkartoffeln, entschädigte aber sowohl sie wie mich für die „Tagesstrapazen“…



Wir standen für die Nacht sehr ruhig im Ortsteil „Zollhaus“, und zwar auf einem Platz, der gut und gerne die Größe eines Fußball- WM- Stadions maß. Außer uns stand in einer Ecke noch ein Pkw, weit entfernt. Und dann – man kann es sich irgendwie nicht vorstellen - fährt also ein einsamer „Cowboy“ mit seinem WoMo auf den Platz und stellt sich hinter uns. Exakt dahinter, Abstand etwa einen Meter! Ich war sicher, dass es sich um „Versteckte Kamera“ handelt, Miss Latsch kochte! Ihm war jedoch zunächst einmal das Wichtigste, dass wir ihm die Frage beantworteten, wann denn die Museumsbahn vom unweiten Bahnhof abfahre… Um diesem Irrsinn auf die Spur zu kommen, fragte sie mal, ob sonst nichts frei war auf dem Platz und – natürlich freundlich umschrieben – ob der eigentlich einen Dachschaden hat? Nach einer Reihe schwachköpfigen Brumm- Antworten ohne Sinn setzte er sich schließlich in seine Kiste und – Überraschung! – fand doch noch eine freie Stelle so weit entfernt von uns, dass jeder seine Ruhe hatte. Übrigens blieb es über Nacht bei der beschriebenen Parkplatzbelegung…





Das Wuschele hatte während der Etappe von Blumberg nach Engen – inzwischen befand sie sich ja auf dem so gen. „Querweg“, der ein Stück weit zusammen mit dem E 1 verläuft – mehrere An- und Abstiege bei insgesamt 850 Höhenmetern zu bewältigen, und obwohl es häufig nach Gewitter aussah unterwegs, sie blieb ganztags trocken. 


 
Dass mich da natürlich gleich wieder einer anguckt, ist ja wohl klar! Wen noch?


Der "Blaue Stein" bei Randen


In Engen, und das hatten wir beide nicht gewusst, durchpflügten wir, bei ordentlichem Fotolicht, nach ihrer Rückkehr noch eine zwar überschaubare, aber wunderschöne Altstadt. Und wunderten uns, dass irgendwie überhaupt nichts los war.
 
Wunderschöne Altstadt Engen


 

Gute Idee...


Natürlich eine Hochburg der Alemannischen Fasnet
Der Stellplatz unterhalb der Altstadt verdient großes Lob. Zwar bloß für vier Mobile ausgelegt (deshalb vielleicht ein wenig zu klein), aber ohne Kosten, Strom vorhanden, wer braucht, ruhig, schön gelegen, wirklich gut gemacht!

Es war zu heiß, um irgend etwas zu kochen oder gar warm zu essen! Deshalb gabs Käse, Salami, Brot, Gurken, Tomaten und Weintrauben, und das war eine vernünftige Entscheidung. Natürlich wurde das auch eine ruhige Nacht.





Singen am Hohentwiel hieß das nächste Etappenziel. Und während der Waldschrat der Gruppe über zahlreiche Vulkanberge und -hügel zu wandern und insgesamt gut 850 Höhenmeter zu bewältigen hatte, war meine erste Anlaufstelle ein Baumarkt, und schon leicht gefrustet wegen Erfolglosigkeit danach ein zweiter. Es ist für mich immer wieder mehr als erschreckend – und ich gehe da ja sowieso nicht gerne hin – zu sehen, wie die Mitarbeiter schon frühzeitig beschäftigt tun oder gleich ganz verschwinden, wenn sie ein fragendes Gesicht entdecken, oder wie – wenn man dann doch mal einen erwischt – total inkompetent die meisten der Beschäftigten sind!

Die Tür unseres kleinen Spiegelschranks im Bad, die durch einen Klappverschluss grundsätzlich gesichert ist, geht bei vielen Kurven zwischendurch mal auf, und das hin und her schwenken und –klappern der Tür ist natürlich nicht im Erfindersinne. Ich suchte eigentlich eine Art Riegelschloss mit einem Riegel, den ich um 90 Grad drehen kann (und möglichst einrasten), der dann so die Tür im Notfall hält. Aber außer Fragezeichen im Auge und Aussagen wie „ich habs vor Augen, ja, aber ich glaube, das haben wir nicht“, oder „oje, das ist ja ein Spezialfall, da können wir nicht helfen“, oder einfachem Schulterzucken gibt’s in den Baumärkten nichts zu holen! Ich ärgerte mich wahrlich ganz ordentlich, kaufte Magnetsysteme („wie stark dieser Magnet ist, kann ich Ihnen nicht sagen“) und bewegliche Winkelstücke, stellte im WoMo aber immer fest, dass es nicht die richtige Lösung war. Und gab es jeweils zurück.

Irgendwann übrigens hatte ich ganz alleine sowohl die zündende Idee, was helfen würde, wie auch das notwendige Teil dafür im WoMo und das Werkzeug, es zu installieren. Problem gelöst, ohne Baumarkt und ohne Kosten!




Der "Hohenhowen" und seine Burg- Reste





Als Frau Wanderschuh am Stellplatz in Singen ankam, war es mitten am Nachmittag. Auch heute hatten sich die drohend aus allen Richtungen anrollenden Gewitterwolken wieder verzogen.

Der Platz, auf dem ich stand, ist riesig. Und liegt praktisch genau unter dem Wahrzeichen der Stadt, der Ruine des Hohentwiel. Ein Teil wird von Pkw’s, ein anderer, großer Teil von Wohnmobilen genutzt. Ein paar wenige standen schon in der Reihe mit Stromanschluss, als ich ankam; wir wollten mal ein, zwei Nächte mit Stromanschluss stehen, um die letzte unserer Gasflaschen zu entlasten. Rechts von mir ließ ich Platz, links ebenso. Und sonst gab es jede Menge freie Plätze. 

Der "Hohentwiel" - Wahrzeichen der Stadt Singen am Bodensee; vom Stellplatz aus

Aber was geschieht? Es parkt einer mit seinem WoMo so eng rechts neben uns, dass nicht beide hätten gleichzeitig die Tür öffnen können. Wir glaubten es erst nicht, und nachdem sich Madame als erste wieder gefangen hatte, ging sie raus zu ihm und bedankte sich, dass er uns so eine Menge Platz gelassen habe zum sogar noch draußen sitzen. Und wie erwartet versuchte auch der zu erklären, was nur mit Blödheit zu erklären ist! Nach rund fünf Minuten fuhr er allerdings woanders hin und siehe da, er kann es ja!



Es herrschte in jedem Fall ein Wetter für den Grill, und die Entrecotes, die wir uns gönnten, waren schlichtweg ein Gedicht! Den Rest des Abends verbrachten wir mit Lernen und ein wenig Fernsehen. Die Nacht wurde wunderbar ruhig.

Der Waldläufer hatte eine sehr lässige Etappe vor sich, bis Radolfzell. Viele Steigungen gab es nicht, das Wetter hielt, und so trafen wir bereits um 15 Uhr wieder zusammen und suchten einen Platz für die Nacht, den wir auch unproblematisch fanden. Schon komisch, aber nun war tatsächlich schon wieder wichtig, was noch im Kühlschrank ist und gegessen werden muss, denn die Tour neigt sich dem Ende. 

Burgruine Homburg



Ja, ich glaub es nicht! Schon wieder...




Und wie es eben so ist, irgendwann steht der Abschluss an. In diesem Fall war das am Samstag. Abschlussetappe von Radolfzell nach Konstanz. 
Während ich voraus fuhr um erstens Quartier zu machen und zweitens einen lieben Besuch, wanderte Miss Latsch über smartes Hügelland am Mindelsee vorbei, durch Langenrain und Wallhausen, konnte aus der Ferne die Insel Mainau sehen und durchquerte zuletzt die Konstanzer Innenstadt.
Um 16 Uhr hatte sie ihr Ziel erreicht und somit den kompletten Fernwanderweg E 1 von der dänischen Grenze bei Flensburg durch Deutschland bis zur schweizerischen Grenze bei Konstanz durchwandert. Herzlichen Glückwunsch!

Wir feierten nur ein wenig und gönnten und ein "all- you- can- eat- Buffet (viel zu heiß eigentlich...) beim örtlichen Asiaten, brauchten aber insgesamt deutlich mehr Wasser denn Schampus an diesem heißen Tag.
 



Und natürlich wäre der Waldschrat nicht der Waldläufer, hätte sie nicht auch noch das Schild entdeckt, wie der Weg dann weiter verläuft in die Schweiz, dort durch, nach Italien und und und... 




Wir hatten nun wirklich noch beinahe zwei Wochen herrlichsten Sommer und konnten die letzten Etappen der Tour sehr genießen. Wer weiß schon, was wann noch kommt...
Jetzt bleibt uns nur, den vielen treuen Mitlesern des Reiseblogs für ihre Geduld, wenns mal wieder zu lange dauerte bis zum nächsten Beitrag, und ihr Durchhaltevermögen, alles anzusehen und zu lesen, ganz herzlich zu danken.
Allen wünschen wir einen wunderbaren Restsommer, denen, die noch los ziehen, traumhafte Urlaubstage und jedem, dass es ihm bestens geht.
Liebe Grüße,

Marion "IstjaauchkaumnochPlatzaufdemGelände" &

Tommy "IchsuchdaeinspezielleskleinesRiegelschloss"

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